Mittwoch, 13. November 2013

Ein schwieriger Anfang?

Nach dem Entschluss, sich mit klassischer Musik zu beschäftigen, steht man zunächst vor einem Problem, dessen Lösung sich allerdings sehr schnell als eine faszinierende Tätigkeit herausstellt, die einer Detektivarbeit gleicht.

Die Frage ist nun ganz schlicht: Wo soll ich in der klassischen Musik zu suchen beginnen?

Das klingt aufgrund der großen Menge an verschiedenen Epochen, Komponisten usw. nach einer schier unüberwindbaren Hürde, bei der man fast verleitet ist, aufzugeben. Doch diese Hürde lässt sich methodisch überwinden!

Zunächst hat schließlich jeder einen Grund, weshalb er bei diesem Blog gelandet ist. Jeder von uns hat schon passiv oder aktiv klassische Musik gehört. Und jedem von uns ist die eine oder andere Melodie im Ohr, die gefällt, auch wenn wir sie nicht unmittelbar zuordnen können oder nur Teilwissen darüber besitzen (wie Titel oder Komponisten). Und hier beginnt die Detektivarbeit: Das Stückwerk an Wissen muss ergänzt werden, sodass jenes Musikwerk befriedigend definiert werden kann. Hierzu gehört die Angabe des Komponisten, der Art der Komposition sowie der Satzbezeichnung. (In Zeiten von Google, Wikipedia und Youtube sollte eine befriedigende Bestimmung eines Musikstückes rasch möglich sein.)

Sobald das entsprechende Werk gefunden wurde, kann man mit der Beantwortung folgender Fragen schnell sein Wissen ausbauen und Querverbindungen herstellen, die den eigenen musikalischen Horizont formen und somit jede künftige Recherche erleichtern:

  • Wer hat dieses Werk komponiert?
  • Ist das Musikstück ein alleinstehendes Werk oder gehört es zu einem größeren Ganzen?
  • Welcher Gattung (Genre) lässt sich dieses Werk oder das größere Ganze (z.B. Symphonie, Sonate, Suite, Oper, …) zuordnen?
  • Hat der Komponist weitere Werke dieses Genres komponiert?
  • Welcher Epoche lässt sich das Werk oder der Komponist zuordnen?
  • Gab es andere Komponisten in jener Zeit, die Ähnliches komponiert haben?
  • Haben diese Komponisten abseits dieses Genres andere bedeutende Werke geschrieben?

Man sieht, die Fragen werden immer spezifischer und sind anfangs zum Teil gar nicht so leicht zu beantworten. Dennoch wird man genau durch eine solche Annäherung sehr schnell geübt und bekommt einen Überblick von klassischen Begriffen, die einem helfen, über den Tellerrand des jeweiligen Musikstückes zu blicken und sich zu orientieren.

Eben mit diesem erweiterten Wissen besitzt man die Grundlage, selbstständig nach weiteren Werken zu suchen, die einem ähnlich gefallen könnten wie jenes Werk, das die Initialzündung verursacht hat. Nur auf diese Weise erfüllt sich Stück für Stück der Spruch: Mit dem Staunen und mit der Neugier fängt jede Wissenschaft an.

Graue Theorie? Unmöglich durchzuführen? Das schafft niemand?

Ich mach es anhand von drei voneinander unabhängigen, sehr populären Beispielen aus verschiedenen Epochen vor, die in den nächsten drei Tagen freigeschaltet werden:

1. „Dem Himmel so nah“ oder Bachs „Air“
2. „Wenn das Schicksal an die Pforte klopft“ oder Beethoven 5
3. „Süßester Klang im Todesdrang“ oder Puccinis Arie

Begleitet werden diese Artikel von vielen repräsentativen Hörbeispielen, die für Abwechslung, Inspiration und Verdeutlichung sorgen sollen.

Wohlgemerkt: Es handelt sich hierbei um keine Werkanalysen (dafür gibt es noch viele Möglichkeiten in weiteren Artikeln) sondern um ein Exerzieren der oben genannten Methode, sich ohne allzu großem Vorwissen im musikalischen Gefilde eines kompositorischen Schaffens bzw. einer Epoche zurecht zu finden. Spezialisieren kann man sich später immer noch, jetzt kommt es uns zunächst auf den Überblick an.

Und als 4. Punkt am 4. Tag wagen wir uns an das heikle Unterfangen, Beziehungen zwischen zwei Epochen herzustellen. Ich werde dies anhand von Johann Sebastian Bach (1685-1750) und Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), also Barock und Wiener Klassik, versuchen. Ich nenne diesen Artikel „Vollendung findet neue Bahnen? – Mozart entdeckt den Barock“. Es handelt sich hierbei um eine Auseinandersetzung eines Genies mit einem anderen, die bis an die Grenzen von Mozarts Schaffenskraft ging und ihn bis zu seinem letzten, unvollendeten Werk, ja bis zu seinem Tod hin begleiten sollte.

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