Samstag, 21. Dezember 2013

"Weihnachten - Der Klang des Glaubens"


Weihnachten naht in großen Schritten. Grund genug, dass auch Sölkners Klassik-Kunde einen Teil zu dieser festlichen Zeit beiträgt. Doch bevor wir uns ganz den Ursprüngen von weihnachtlicher Musik zuwenden, möchte ich zunächst eine kleine atmosphärische Einstimmung bieten, die sich ganz der klirrenden Kälte des Winters (Minute 0:00 in der Hörprobe) und des poetischen Treibens von Schneeflocken (3:44) verschrieben hat (auch wenn das Wetter in Mitteleuropa oft nicht ganz verträglich mit weißen Weihnachten ist).

Es handelt sich hierbei um das weltbekannte Konzert RV 297 „Winter“ aus „Die vier Jahreszeiten“ von Antonio Vivaldi (1678-1741):




Doch steigen wir nun etwas tiefer in die Materie ein und gehen zu den Ursprüngen unserer heutigen Musik zurück: in die Renaissance des auslaufenden 15. Jahrhunderts. Es war eine wilde Zeit, wo Glaube kaum an die Kirche gebunden war. Damals konnte man Kardinal ohne Priesterweihe und nur durch Bestechung und Vetternwirtschaft werden. Das Amt des Papstes erlangte meist derjenige, der die erfolgreichsten Auftragsmorde durchführen ließ und genug Geld hatte, um potentielle Feinde milde zu stimmen. Die Päpste hatten meist viele Geliebte sowie Kinder und nutzten den Weg der Heiratspolitik gleichermaßen wie den der kriegerischen Feldzüge. Dass leichte Damen, Lustknaben, Arsenproduzenten und Weinbauern damals Hochkonjunktur hatten, ist selbstredend ... -

DENNOCH entstanden zu dieser Zeit Kunstwerke, die tief im Glauben verwurzelt waren und sich bewusst von der Verdorbenheit und Perversion der politischen Realität der Zeit absetzten. Dadurch entstand eine Polarität, die kaum mit sich zu vereinbaren war und ist: Auf der einen Seite vollendete, tiefsinnige Kunst und auf der anderen Seite Korruption, Intrige, Mord. Diese Ambivalenz war symptomatisch für die Zeit der Renaissance und ich denke, genau aus diesem Widerspruch schöpft diese Epoche, die in vieler Hinsicht bis heute unübertroffen ist, ihre Faszination und ihre Einzigartigkeit. Und das eigentlich Spannende ist, dass die Verdorbenheit der Zeit nie etwas der Kunst anhaben konnte. Unbeschadet hat die Kunst jeden weltlichen wie geistlichen Herrscher überlebt und den Menschen stets das gegeben, wozu die Herrscher selten fähig waren: Inspiration, Glauben und Hoffnung!

Wie gerne würde ich jetzt ausschweifend über Leonardo da Vinci, Botticelli, Michelangelo, Raffael, Tizian, Bronzino, Bramante, Brunellschi, Donatello (und wie sie alle heißen) berichten … aber wir befinden uns auf einem Klassik-Blog und deshalb sei hier ein zeitgenössischer Komponist jener Meister vorgestellt: der wunderbare Renaissance-Komponist Josquin Desprez (um 1450 – 1521).

Ich gebe gerne zu, dass Desprez nicht ganz so bekannt ist wie die anderen oben genannten Meister, dennoch ist ihm ein Werk gelungen, das sich nicht verstecken muss und die Musiksprache revolutioniert hat. Er hat maßgeblich an der Entwicklung der Polyphonie mitgewirkt und Werke von zeitloser, ewig gültiger Schönheit komponiert. Seine unerschöpfliche Kraft an melodischer Inspiration verschaffte ihm den Beinamen „Schubert der Renaissance“. Ob dieser Vergleich hilfreich ist, wage ich zu bezweifeln. Nichtsdestoweniger möchte ich eines seiner Werke nun vorstellen: „Praeter rerum seriem“. Es handelt sich um einen Lobgesang zu Ehren der Geburt von Jesus. Die Mystik und Spannung dieses Werkes sind einzigartig. Das war wohl auch der Grund, weshalb es im Rom der Renaissance meist den Beginn von weihnachtlichen Messen gestalten durfte:




So mystisch kennt man Weihnachtsmusik sonst nicht, nicht wahr?

Diese Art Ehrerbietung von der Geburt Jesu zieht sich durch alle späteren Epochen. Allerdings ändert sich diese der Musiksprache entsprechend. Eine der bekanntesten Lobpreisungen schrieb wohl im Barock Georg Friedrich Händel (1685-1759) für sein Meisterwerk „Messiah“. Die Arie "For unto us a Child is born“ gehört zu den bekanntesten der Musikgeschichte, wird immer wieder in unserer Populärkultur verwendet und lässt hoffentlich nicht nur mein Herz höher schlagen:




Ja, hierbei handelt es sich um eine sehr glückliche Eingebung von Händel!

Um noch eine dritte Art von musikalischer Lobpreisung ins Spiel zu bringen, sei auf pastorale Hirtengesänge verwiesen, die rein instrumentaler Natur sind.

Was haben Hirten mit Jesus Geburt zu tun?

Man wende sich zur Recherche einfach mal der nächsten Weihnachtskrippe zu und verstumme für immer!


Den bekanntesten Hirtengesang komponierte der große Johann Sebastian Bach (1685-1750) für sein meisterhaftes Weihnachtsoratorium, das aus sechs Teilen besteht, wovon die ersten drei die Weihnachtsfeiertage thematisieren. Der Hirtengesang bildet die Einleitung des zweiten Teils und gehört zu einem der schönsten Orchestersätze, die Bach je geschrieben hat:




Ein weiterer, sehr beliebter Hirtengesang stammt von Arcangelo Corelli (1653-1713) aus seinem Weihnachtskonzert op.6 Nr.8:




Schließen möchte ich mit einem romantischen Werk des französischen Meisters César Franck (1822-1890). Es handelt sich um „Panis angelicus“ und auch in diesem Werk zeigt sich die Stärke der Kunst, die etwas Reines, Unantastbares durch viele Jahrhunderte und durch viele Verdorbenheiten vergangener Zeiten hinweg uns auch heute noch unbeschadet schenkt. Dabei wird etwas transportiert, das wir zwar nicht benennen können, sehr wohl aber vollends in uns aufnehmen. Und wenn wir dies erkennen, ist das wohl die ehrlichste und reichste Grundlage, um in sich zu kehren und von innen nach außen zu hören, um in Einklang mit seinen Lieben Weihnacht zu feiern und ein Teil der Besinnlichkeit zu sein.

Auf diesem Wege wünscht Sölkners Klassik-Kunde eine frohe und besinnliche Weihnachtszeit!




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