Mittwoch, 4. Dezember 2013

0. "Die Oper und das Leitmotiv“ - Einleitung


Diese Woche wagen wir uns an die große romantische Oper: Richard Wagner (1813-1883), Giuseppe Verdi (1813-1901) und Giacomo Puccini (1858-1924)! So unterschiedlich diese drei Komponisten auch sein mögen, so sehr lohnt es sich auch ihre Gemeinsamkeiten in ihrem Werk zu beleuchten und darzustellen. Es wird doch wohl einen Grund geben, weshalb jeder einzelne von ihnen die Opernbühnen der Welt erobern konnte. Zusätzlich ist heuer das Wagner/Verdi-Jahr aufgrund deren 200. Geburtstages, wofür sie sich eine Hommage im Rahmen dieses mehrteiligen Artikels verdient haben.

Und warum darf der Puccini auch dabei sein? Weil, wie man an den Lebenszeiten sehen kann, dieser einer jüngeren Generation angehörte und von beiden älteren Meistern beeinflusst wurde. Puccini konnte auf die Methodik beider zurückgreifen und daraus symbiotisch etwas eigenes erschaffen. Es handelt sich hierbei um den letzten Gipfelpunkt der spätromantischen Oper.

Das klingt jetzt nach einer Herkulesaufgabe, bei der viele bereits aufgeben wollen, bevor sie sich dieser richtig gestellt haben. Ich kann aber versichern, dass man davor keine Angst haben muss. Es wird je eine Oper von diesen Meistern auf etwas untersucht, was wesentlich und prägend für die Oper der Romantik war: das Leitmotiv!

Der Begriff „Leitmotiv“ klingt jetzt möglicherweise etwas abstrakt, bedeutet aber nichts anderes, als ein charakteristisches Tongebilde, das mindestens einmal im Laufe der Opernhandlung wiederkehrt, um etwas Bestimmtes darzustellen oder zu unterstreichen. Dabei handelt es sich oft um Melodien und Motive, die mit außermusikalischen Inhalten assoziiert werden können, wie dem Erscheinen von Personen, Gegenständen, Ideen oder Gefühlen. Leitmotive sind also markante musikalische Stellen mit Wiedererkennungscharakter, die etwas symbolisieren sollen. Somit sind sie essenziell für den Spannungsbogen und den Höhepunkt eines jeden Handlungsstrangs.

War das verständlich? Nein? Zu theoretisch?

Keine Panik, Leitmotive kennt jeder, man muss sie nur durch Beispiele verdeutlichen:

a) Das Leitmotiv eines Lebewesens, das Unterwasser haust:



Und so sieht dieser sympathische Zeitgenosse aus:




b) Das Leitmotiv eines Manns, der eine ganz besondere Lizenz hat:




c) Das Leitmotiv für gemütliche Duschgänge:




Wurde eines der Motive erkannt? Sollte jemand die Gelegenheit haben, diese Filme anzusehen und auf die Musik achten zu wollen, dann wird man erkennen, dass diese Themen an Schlüsselszenen der Filme in variierter Weise immer wieder auftauchen.

Aber diese effektvolle Ausnutzung der Wirkung von Musik ist in keinster Weise eine Erfindung des Films. Das wussten unsere drei Opernpappenheimer (Wagner, Verdi und Puccini) bereits vor Erfindung der ersten Filmkamera. Daher wird, wenn man so will, das Prinzip des Leitmotivs, das jeder unbewusst bereits aus Filmen kennt, in diesem Artikel auf das Genre der Oper übertragen.

Das komplizierte Wort „Leitmotiv“ klingt nun nicht mehr so ganz so furchteinflößend, oder?

Zur Leitmotiv-Thematik hatten Wagner, Verdi und Puccini ganz unterschiedliche Ansichten und Zugänge. Aus diesem Grund lohnt es sich, drei repräsentative Meisterwerke dieser hinsichtlich der Leitmotive zu untersuchen, um einen übergeordneten Zusammenhang zu erkennen und um einen Überblick über das große Gebiet der romantischen Oper zu erhalten.

Ich habe mich für folgende Opern entschieden, welche in dieser Woche in drei eigenen Artikeln erscheinen werden:

- „Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg“ von Richard Wagner (1845)
- „La Traviata“ von Giuseppe Verdi (1853)
- „Tosca“ von Giacomo Puccini (1900)

Und für alle, die noch immer nicht genug Motivation für die Entdeckung der Leitmotive haben, kann ich Folgendes als kleinen Anreiz verraten: Diese 3 Opern enthalten viel nacktes Fleisch, Sex, Gewalt, Intrigen und kaltblütigen Mord!

Cool, nicht wahr?

Ja, ich weiß … so machen Leitmotive Spaß!

In diesem Sinne … bis zum nächsten Artikel!

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