Sonntag, 12. April 2015

"Dvořák - Böhmens musikalische Seele"



Böhmen ist ein Land, das mit seiner reichen Geschichte Facetten besitzt, die einen feinsinnigen Menschen zum Schwärmen bringen müssen: historische Prachtbauten, poetische Flusslandschaften, große literarische sowie naturwissenschaftliche Geister, herrliches Essen und (nicht zuletzt!) das beste Bier der Welt. Darüber hinaus kann Böhmen auf eine bedeutende Musiktradition zurückblicken, die sich speziell im Schaffen eines spätromantischen Komponistens zu höchster Blüte entfalten durfte. Es handelt sich um das Werk Antonín Dvořáks (1841-1904), der Böhmens Seele einen würdigen Klang schenkte.  

Dvořáks Musik stellt für die böhmische Musiktradition einen ähnlichen Höhepunkt dar, wie es die Hauptstadt Prag, die goldene Stadt, für Böhmen selbst ist.


Und über den böhmischen Einfluss in Dvořáks Schaffen soll dieser Artikel handeln.

Um in Dvořáks Werk böhmische Klänge zu entdecken, muss nicht lange gesucht werden. Bereits in seinen kleineren Musikzyklen wie der Tschechischen Suite (op.39), den Slawischen Tänzen (op.46) oder den Bagatellen (op.47) wird man fündig. Als wunderbares Beispiel tiefster böhmischer Prägung soll nun die erste Bagatelle aus Opus 47 dienen:





Doch Dvořák ließ böhmischen Einfluss nicht nur in seinen kleineren Formen zu. Der böhmische Volkston durchzieht sein gesamtes Schaffen und hält sogar in seinem Hauptwerk Einzug. So sind auch seine großen Symphonien teilweise auf volkstümlichen Tänzen basierend. Dies zeigt sich besonders deutlich im Scherzo der 7. Symphonie (op.70). Der leidenschaftlich markante Duktus dieses Satzes kann in keinster Weise seinen böhmischen Ursprung leugnen:





Ähnlich ist dies auch im 3. Satz von Dvořáks 8. Symphonie (op.88). Allerdings weicht hier die markante Rhythmik dem leidenschaftlichen Fluss der Musik. Das Klangbild ist ein völlig anderes, nur der böhmische Ursprung bleibt gleich:





Dvořák hielt sich aber keineswegs ständig in seinem Heimatland auf. In den Jahren 1892-1895 trat er in New York eine Stelle als Direktor des "National Conservatory of Music" an. Er blieb in Amerika von der dort existierenden, viel jüngeren Musiktradition nicht ganz unbeeinflusst. Dies ist vor allem in seinem "amerikanischen" Streichquartett (op.96) und in seiner 9. Symphonie (op.95), die bezeichnenderweise den Namen "Aus der neuen Welt" trägt, zu spüren.

Beim ersten Hinhören klingt das rhythmisch markante Thema des Scherzos wie ein wilder Indianertanz, der mit Böhmen nichts zu tun haben kann. Doch im Grunde ist dieser Satz in keinster Weise weniger böhmisch als alles andere, das Dvořák komponiert hat:





Antonín Dvořák hat in seinem Werk den böhmischen Volkston perfekt verinnerlicht und doch mehr geschaffen als "nur" Musik für Böhmen. Durch das Genie Dvořáks reicht die Wirkung seiner Klänge weit über Böhmen hinaus und hat längst am Olymp der klassischen Musik seinen sicheren Platz gefunden. 

Dvořák gelang mit seinem Werk ein ganz persönlicher Höhepunkt in der Musik der Spätromantik: Ein Höhepunkt mit böhmischer Seele.




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