Mittwoch, 2. April 2014

"Ravel - Der Stoff, aus dem Märchen sind"


Es war einmal ...

Jeder von uns kennt Märchen aus seiner Kindheit, die einem besonders ans Herz gewachsen sind. Oft sind die ersten Begegnungen mit Märchen derart intensiv, dass man sich noch genau erinnern kann, wo man sie das erste Mal gehört, wer sie einem vorgelesen oder wie es damals gerochen hat. Oft sind diese Erinnerungen mit der wohligen Wärme im Schutz der Kindheitstage verbunden, fern jeder Sorge. Und auch heute (als der Jugend Entwachsener) denkt man an diese stillen Momente der Freude gerne zurück.



So ging es wohl auch Maurice Ravel (1875-1937), als er für die Kinder einer befreundeten Familie ein kleines Klavierstück zu deren Lieblingsmärchen "Dornröschen" ("La belle au bios dormant") komponierte. Es ist ein kurzes Werk in Form einer sensiblen Pavane (ein spezieller Gesellschaftstanz), deren liebreizenden Zartheit sich kaum jemand entziehen kann. Und vielleicht denkt dabei der eine oder andere verträumt an seine vergangenen Tage zurück.




Hinreißend, nicht wahr?

Die Kinder waren jedenfalls derart begeistert, dass sich Ravel zu einem Klavierzyklus "Ma mère l'oye" ("Mutter Gans") mit 5 Werken zu bestimmten Märchen überreden ließ, den er kurz darauf auch orchestrierte. Ein sehr beliebtes Stück daraus ist "Die Schöne und das Biest" ("Les entretiens de la belle et de la bête"), welches mit dem Thema der Schönen beginnt und in Minute 1:11 vom Thema des Biestes abgelöst wird. Jeder, der das Märchen kennt, kann sich denken, was mit beiden Themen gegen Ende hin geschieht.




(Sollte sich jemand bei dem Thema des Biestes an "Das Phantom der Oper" erinnert fühlen, so kontrolliere man die Lebenszeit von Andrew Lloyd Webber mit jener Ravels. Man wird sich sehr schnell klar, wer von wem abgeschrieben hat!)

Ravels Märchenzyklus endet mit einem Stück namens "Der Märchengarten" ("Le jardin féerique"). Das Interessante ist, dass niemand weiß, welchem Märchen diese Musik zuzuordnen ist. Es wird vermutet, dass Ravel hier ein selbsterfundenes Motiv beisteuern wollte. Und das ist ihm wahrlich märchenhaft gelungen:




Es WAR einmal ... das ist die beginnende Formel der meisten Märchen!

Doch wenn der sanfte Schleier der Erinnerung an Märchen uns berührt, dann SIND sie, wenn auch nur für kurze Zeit und erscheinen uns wie Freunde aus altvertrauten Tagen ... 

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute!






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